Ballermann-Facebook essen Toskana-Blog

Facebook ist übermächtig. Fast 700 Mio. Nutzer sind dort jetzt registriert. Obwohl gestern durch die Netz-Presse geisterte, dass Facebook nicht mehr so schnell wächst und in den USA die Nutzerzahlen im Moment sogar sinken, geben die Facebook-Macher die nächste Zielmarke aus: 1 Mrd. Nutzer. 

Facebook wird an die Börse gehen (geschätzter Wert: ca. 100 Mrd. $) und wird wohl versuchen in China Fuß zu fassen. Dafür werden wohl jetzt schon die Kotaus geübt, denn wie man von Google und den olympischen Spielen weiß, muss der Westen immer Kompromisse mit dieser Supermacht eingehen – meistens faule. Dafür erschließt sich dort aber ein gigantischer Markt und unglaubliche Expansionsmöglichkeiten, und wenn man eben abhängig von ewiger Expansion ist, dann macht man sich auch in Fernost zum Hans.

Wie dem auch sei, die Musik spielt in Facebook. Die Musik spielt sogar so laut in Facebook, dass vor der Tür fast nichts mehr los ist. Jedenfalls befürchten und erleben das die Internetpioniere, Blogger und die ehemaligen Web-2.0-Jünger im Moment offensichtlich so, denn man unkt:

Medien – Über die Zukunft klassischer Blogs
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Netzbeobachter haben einen neuen Trend ausgemacht, einen Trend zur Kürze. Das handelsübliche Bloggen, so raunen sie, werde in Zukunft von kurzen Statusmeldungen a la Twitter und Facebook verdrängt. Und einige prominente Blogger denken schon jetzt laut darüber nach, ob man seine Blogeinträge mittelfristig auch auf Facebook verlegen könnte.
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Source: http://wissen.dradio.de/medien-ueber-die-zukunft-klassischer-blogs.33.de.html?dram:article_id=10700

Das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis, die DRadio Wissen da unters Volk bringt. Das Volk ist schon vor einiger Zeit im großen Dorf Internet angekommen und ist dort gleich in die größte und lauteste Kneipe gewandert: Facebook. Richtig ist auch, dass in Facebook mittlerweile fast jeder zum Blogger geworden ist, wenn er seine täglichen kleinen Geschichten zum Besten gibt, und seine Links teilt. Richtig ist auch, dass das qualitativ oft nicht sehr hochwertige Inhalte sind, und die Meinungsmache und das unreflektierte Verbreiten von Meinung Standard sind. Wobei man hier direkt fragen muss, wer das wohl beurteilt, und ob das tatsächlich das einzige Qualitätsmerkmal zur Beurteilung des Phänomens Facebook sein darf. Antwort: Geschenkt. Natürlich nicht. Die sozialen Funktionen, die eine Community wie Facebook oder Wer-kennt-wen übernehmen gehen weit darüber hinaus, was Blogs je gewesen sind. Man würde Äpfel mit Birnen vergleichen, wenn man da rein auf der Inhaltsebene diskutieren würde.

Eine andere Sache: Auch in den Blogs ist nicht alles hochwertig. Kurioserweise schießt mir in diesem Moment der Gedanke durch den Kopf, dass ich das doch alles schon mal gehört und gelesen habe, dieses Gerede über Qualität und alte und neue Medien. Ja ja, da schließt sich so der ein oder andere Kreis.

Auch kommen die Blog-Barone und ihre Anhänger in die gleiche Lage, wie ehedem Kirchens: wenn du deine frohe Botschaft unters Volk bringen willst, dann musst du eben dorthin, wo das Volk ist.

Facebook ist und bleibt Thema – das ist Fakt. Im Grunde machen die Selbstpublizierer im Netz die gleiche Nummer, wie die Kapitalisten in China: sie wollen und müssen dorthin, wo die Musik spielt und dafür gehen sie auch den ein oder anderen faulen Kompromiss ein.

Mir ist’s weitgehend wurscht, denn weder schiele ich hier auf wahnsinnige Leserzahlen, noch mache ich mir die Hoffnung, dass ich neue Lesergruppen durch die Prostitution in Facebook finden werde. Man verstehe mich an dieser Stelle bitte nicht falsch, ich verurteile niemanden der dies tut. Das ist legitim. Ich aber habe hier meine Nische und die gefällt mir, so wie sie ist, weil sie so ist wie sie ist. Das ist nicht massenkompatibel. Das ist gegen den Trend. Das ist seltsam. Das ist in Teilen autistisch. Das ist ok. Fertig.

Was tue ich in Facebook? Meine bisherigen Ergüsse über Facebook, die Ballermann-Kneipe im Netz der Netze, kann man bei Interesse hier nachlesen: http://blog.jmatic.eu/?page=1&sort=&search=FAcebook

Ein Lied über Facebook ist auch schon raus gesprungen: Heute hier, morgen Facebook. Auch ins Tagebuch eines Missverständnislosen hat es Facebook bei mir geschafft. Ich habe, wie man unten sehen kann, eine Fanpage für Virtu(ell)nwaswirkönnen eingerichtet und tatsächlich haben sich einige Leute dorthin verirrt und haben die Seite abonniert. Genauso habe ich für jo$ kaos-i-lator eine Fanpage bei Facebook eingerichtet und erreiche tatsächlich ein paar Leute darüber. Allerdings bin ich ziemlich ignorant, was die Pflege dieser Seiten angeht. Ich bin da altmodisch und arrogant: für mich zählt der Inhalt. Die Vermarktung war noch nie mein Ding. Das ist mir weitgehend egal. Ich bin offensichtlich nicht sehr community-tauglich. 

Ich erkenne aber auch an mir, dass Facebook bewegt. Man kann es offensichtlich nicht komplett ignorieren. Es ist zu groß. Mir geht es mit Facebook so: Ich bin ein einfacher Junge vom Land. Ich fahre in eine Großstadt und schaue mich staunend und fasziniert um, lasse mich eine zeit lang in ihren endlosen Strömen mittreiben, und fahre dann wieder dankbar heim. Dankbar, weil ich das sehen durfte, und dankbar dafür, dass ich wieder fahren kann und nicht bleiben muss.

Virtu(ell)nwaswirkönnen und jo$ kaos-i-lator werden bleiben. Hier schreibe ich für mich und ein paar Leser. … und das muss genügen.

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