Dezentralisierung und Erneuerbare Energien


Nach der heutigen Debatte im Bundestag zum Atomausstieg dürfte noch klarer zu erkennen sein, was eigentlich schon vorher – und offensichtlich mit Recht – unterstellt wurde: Die Regierung Merkel tritt zwar die Flucht nach vorne an, und hat gerade den Atomausstieg neu erfunden, aber sie fällt beim gleichzeitig notwendigen Einstieg in die erneuerbaren Energien sofort wieder in alte Denkmuster und ihre eingeübte Klientelpolitik zurück.

Damit ist eine Sache ganz klar: Sie wird die großen Stromkonzerne beim Erhalt ihrer Pfründe schützen, wo es nur geht. Sprich, man will den Umbau der Energieversorgung unter dem Stichwort „Dezentralisierung“ (pdf) einfach nicht diskutieren. 

Die Hauptwaffen waren bei der heutigen Debatte dabei schlichte Ignoranz von Anfragen und Argumenten, und die Panikmache mit Hilfe des Stichworts  „Strompreissteigerung“. Das zieht beim kleinen Bürger immer.

Diese Argumente verfangen tatsächlich deshalb in der Bevölkerung, weil offensichtlich zu wenig Information und Wissen vermittelt wird. Dabei platzt das Netz vor leicht zugänglicher Information zu diesem Thema. Ich habe eine Seite gefunden, die gerade dieses Thema in einem Artikel (April 2011) sehr schön darstellt und interessante Informationen und Argumente liefert:

Dezentralisierung und Erneuerbare Energien
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Für die konsequente Nutzung von Erneuerbaren Energien bietet sich die Dezentralisierung der Stromversorgung geradezu an. Mit ihr gewinnen Städte und Gemeinden neue Bedeutung, weil dort Arbeitsplätze und Wertschöpfung entstehen sowie auch eine Stromversorgungsautarkie. Sie bietet den Bürgern die Möglichkeit, an der Energieversorgung teilzuhaben und mitzubestimmen.
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Source: http://www.umweltbrief.org/neu/html/aktuell-04.html

Einen Abschnitt aus dem Artikel muss ich einfach hier nochmal zitieren, obwohl ich natürlich die komplette und sorgfältige Lektüre dieses Artikels empfehle, und weil ich weiß, dass die Wenigsten das tun werden:

Großkraftwerke und Erneuerbare Energien passen weder technisch, noch wirtschaftlich zusammen. Denn Großkraftwerke verstopfen die Leitungen, so dass die Erneuerbaren nicht durchgeleitet werden können. Atomkraft als „Brückentechnologie“ zu nutzen ist daher völlig absurd. 
Dezentralisierung und Versorgungsautarkie liegen allerdings nicht im Interesse der Stromkonzerne, die mit ihrem winzigen Anteil von Erneuerbaren Energien allenfalls PR und Greenwashing betreiben. 
Bislang ist die Stromversorgung nicht demokratisch oder zumindest nach den Regeln des freien Wettbewerbs organisiert, sondern wird vom Kartell der großen Stromversorger – den Ex-Monopolisten – diktiert. Dazu gehören auch die willkürlich steigenden Strompreise, die vom Kartell nach Gutsherrenart manipuliert werden. (Source: http://www.umweltbrief.org/neu/html/aktuell-04.html)

Das ist einfach und treffend beschrieben. So sieht die Lage aus. Man kann an dieser Stelle wieder das altbekannte Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber so mächtigen Systemen und Wirkkräften spüren. Ich weiß. In Wahrheit sind wir aber nicht machtlos. Der kleine Bürger muss hier nur einen gedanklichen Rössel-Sprung hinlegen, denn die Sache ist doch die: Die Stromkonzerne arbeiten rein gewinnorientiert und ordnen diesem Fakt quartalsorientiert alles unter. Die Stromkonzerne haben (aus weit in der Zeit zurückliegenden vertraglichen Gründen) Macht über Regierung und Politik. Diese Macht nutzen sie natürlich, um im Hintergrund den Staus Quo zu erhalten. Das bedeutet aber, dass wir auf jeden Fall in Zukunft mehr für Energie werden zahlen müssen, denn Gewinn entsteht nur aus Preissteigerungen, wenn man gleichzeitig in einer Gesellschaft lebt, die den Energieverbrauch senken will und Klimaziele erreichen will. 

Wie in dem Artikel schon beschrieben, ist es sinnlos, im Moment diese Stromkonzerne und die gewachsenen Strukturen in der Politik direkt anzugehen. Da müssen wir uns schlicht auf die gewählten Volksvertreter unserer Wahl verlassen und immer wieder Transparenz einfordern. Fakt aber ist, wir werden in jedem Fall zur Kasse gebeten, und das kann Bürger zu seinem Vorteil machen, denn es liefert ihm eine völlig neue Perspektive: Es macht jetzt Sinn zu sagen, wenn ich schon mehr Geld für Energie ausgeben muss, dann investiere ich es lieber in kleinere Anbieter, die tatsächlich auf komplett erneuerbare Energien setzen. Gleichzeitig setze ich mich damit dafür ein, dass unsere Energieversorgung dezentralisiert und damit auch wieder demokratisiert wird, in dem ich deren Marktstellung stärke. Kleinvieh macht auch Mist. Viel Kleinvieh macht viel Mist. 

Es ist das alte Spiel: Wir machen reale Politik mit unserem Geldbeutel, weil wir erkennen, dass Veränderung und Problemlösung bei unserer eigenen Nase beginnt. 

Als Hausaufgabe denkt Bürger dann darüber nach, ob in unserer heutigen Gesellschaft eine garantierte Versorgung mit Energie und Wasser nicht eigentlich Grundrecht sein sollte.

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