Die Guttenberg-Verteidigung

tl;dr –> … nicht so wichtig; klick weida, Alda.


Quelle: Polaroids – jo.jmatic – Picasa-Webalben

«Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, und das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt», sagte Merkel am Montag am Rande eines Besuchs der Bundeswehrsoldaten im Kosovo. «Deshalb glaube ich, dass es wichtig ist und richtig ist, dass heute auch bestimmte Dokumente eingesehen werden können, und dass alles für die Aufklärung getan wird.» Die Kanzlerin ergänzte: «Ansonsten hat der Bundespräsident mein vollstes Vertrauen.»

Quelle: Bundespräsident: Merkel hat vollstes Vertrauen zu Wulff | ZEIT ONLINE

Ich nenne das

»die Guttenberg-Verteidigung«*.

Warum? Darum:

Merkel hatte bereits am Montag noch vor Guttenbergs Rede signalisiert, ihn wegen der Plagiatsvorwürfe als Minister nicht einfach fallen lassen zu wollen. Sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Doktoranden ins Kabinett geholt. „Mir geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister. Die erfüllt er hervorragend, und das ist das, was für mich zählt“, hatte die Kanzlerin gesagt.

Quelle: Plagiatsaffäre: Merkel unterstützt Guttenberg nach Doktor-Verzicht – Nachrichten Politik – Deutschland – WELT ONLINE

Same procedure as every year: Frau Merkel hat ja Herrn Wulff schließlich nicht als atypische, klüngelfreie, unabhängige, glaubwürdige und ehrliche Politikranderscheinung ins Amt geboxt; da hätte dann ja auch gleich Köhler bleiben können, oder aber Gauck es werden können. Nein, Frau Merkel wollte den Parteisoldaten Modell »Wackeldackel mit genetisch eingepflegter Beißhemmung« in dieser vorgeschobenen Stellung. Genau diesen Job hat Herr Wulff bisher ja auch hervorragend und entsprechend der Merkelchen Stellenausschreibung erledigt. Frau Merkel sieht es, und drückt es also folgerichtig aus, wie bei zu Guttenberg: »Der Mann funktioniert, tut das, was ich von ihm erwarte und drum kümmert’s mich nicht die Bohne, was da moralisch schleift, solange es juristisch nicht relevant ist. Klar soweit!?«

Ob Wulff gehen darf oder bleiben muss, ist mir fast wurscht, denn erstens hat die Beschädigung des Amtes schon mit dem Rücktritt Köhlers und der Bevorzugung der Berufspoliteuse Wulff gegenüber dem Zeigefinger-Nutzer Gauck stattgefunden, und zweitens hat eine Nation, die eine Merkel, einen Westerwelle, eine von der Leyen, einen Rösler und einen Seehofer erträgt, mit einem juristisch abgesicherten Präsidenten Wulff kein Problem, oder!?.

Ich wollte jetzt noch was zur Lernfähigkeit von Frau Merkel sagen, aber … och nö. Ich wollt‘ auch mal die Frage stellen, ob’s schon die »Lasst Wulff in Ruhe«-Facebook-Gruppe gibt, aber … och nö.

Ich hab‘ aber gerade noch ein Synonym für »Politiker, die im Trüben fischen« gefunden: »mischmaschmeyern«*. Damit kann man das böse Aktiv im bisherigen Ausdruck vermeiden und das Passiv betonen: »Sorry, ich wurde gemischmaschmeyert. Ich hab’s aber nicht bemerkt. Ich hab‘ das nicht gewusst.« Das Volk denkt dann: »Boah, der war voll Opfa!«. Das verhindert zwar nicht den Rücktritt, macht aber den runderneuerten Wiedereinstieg früher wieder möglich. Interessierte Politiker können sich ja bei mir melden, wenn sie diesen Ausdruck kommerziell nutzen wollen.

Quelle: Polaroids – jo.jmatic – Picasa-Webalben

* = copyright ganz viermal by jo jmatic, 2011

** = copyright immer zweimal mehr by jo jmatic, 2011

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