Gesellschaft sucht Helden


400 Menschen arbeiten in den Katastrophenreaktoren von Fukushima, um die Welt vor einer noch größeren Katastrophe zu bewahren, und um den Super-GAU zu verhindern. Ich empfehle den nachfolgenden Artikel, um sich mal darüber zu informieren, unter welchen Bedingungen diese Arbeiter dort leben und handeln.

Kein Mittagessen und kein Außenkontakt – Katastrophe in Japan – derStandard.at

Manche nennen sie die „Helden von Fukushima“ oder die „nuklearen Samurai“: Seit mehr als zwei Wochen versuchen Männer in weißen Schutzanzügen und mit Atemmasken die Atom-Ruine in Fukushima unter Kontrolle zu bekommen. Sie machen einen lebensgefährlichen Job, mehrere wurden verstrahlt – auch weil die Einsatzleitung des Betreibers Tepco geschlampt hatte. (aus: Kein Mittagessen und kein Außenkontakt – Katastrophe in Japan – derStandard.at › Panorama)

Dazu kann man sich auch mal diese mp3-Reportage von DRadio Wissen anhören, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigt: http://bit.ly/gVLgwW

Man stellt sich natürlich sofort die Frage, warum nicht Roboter die Arbeit dieser Menschen übernehmen. Gerade in Japan, dem Land der Roboter, müsste das doch möglich sein. Ist es aber nicht. Roboter reichen eben nicht aus: Japan – „Menschen vor Ort sind nicht vollständig ersetzbar“.

Mir stößt das sehr übel auf, wenn ich mitkriege, dass diese Männer, wohl zumindest teilweise, über wirtschaftliche Abhängigkeiten in den Dienst gepresst werden. Mir stößt übel auf, dass diese Männer bei dem Versuch, den Mist, den die Gesellschaft da angerichtet hat, in den Griff zu kriegen, ihre Gesundheit opfern, während die Großkopferten in gebührendem Sicherheitsabstand beobachten, beschließen und spärlich informieren. Und ich könnte kotzen, wenn ich dann auch noch lese, dass diese Männer auch noch offensichtlich besch***en verpflegt werden! Wie krank ist dass denn? Ich glaube nicht, dass die Vorstandssitzungen der TEPCO in diesen Tagen verpflegungstechnisch auf „Überlebenscräcker“-Niveau sind.

Wenn hierzulande Katastrophen stattfinden am besten noch vor Wahlen seien es Stürme, Flutwellen, Erdbeben, oder was Mutter Natur eben sonst noch so veranstaltet, wer ist dann ganz schnell vor Ort, um sich „ein Bild von der Lage“ zu machen? Richtig! Die Bilder vom Politikerbesuch gehen dann durch sämtliche Medien und werden, je nach Interessenlage, kommentiert und propagiert. Die Botschaft lautet dann: „Ich bin nahe dran am Problem! Ich bin nahe dran am Bürger!“

Randbemerkung: Gewisse Ähnlichkeiten mit aktuellen Wahlkampfsprüchen entsprechen durchaus der Realität.

Das funktioniert auf der ganzen Welt so, quer durch alle Regierungsformen. Frage: Wieviele Bilder von Politikern und TEPCO-Vorständen in Fukushima vor Ort habt Ihr gesehen? Nächste Frage: Wieviele Bilder von deutschen Politikern und Energieversorger-Vorständen vor strahlenden Reaktoranlagen würde es hier bei uns wohl wohl geben? Die Antworten soll sich jeder selber geben.

Hierzulande kann man tolle Wahl-Sprüche machen, die Vokabeln wie „geländegängig“ und Floskeln wie „dahin gehen, wo’s weh tut“ enthalten. Die kosten hier auch nicht so viel, wie gerade in Japan.

Mir stößt es gleich nochmal übel auf, wenn ich dann die Wahl-Nachwehen-Diskussionsrunden im TV mitkriege, in denen CDU-, SPD- und FDP-Politiker die emotionale Angegriffenheit der Wähler für den Wahlausgang verantwortlich machen, und nicht etwa die Tatsache, dass Bürger vielleicht erkannt hat, dass er jahrzehntelang politisch propagierten Mist geglaubt hat, während andere zurecht gewarnt haben, dass diese Kraft nicht zu kontrollieren ist, und dass Politik für einen solchen Fall wie Fukushima, auch hierzulande keinen Plan in der Tasche hat: GAU ohne Grenzen – wie schützt sich NRW? – WESTPOL – WDR Fernsehen (Link via Kreuznacher Neuigkeiten – Facebook). Die Wahrheit ist: Es gibt auch bei uns keine vernünftigen Pläne für solche Katastrophen. Bei uns würde das gleiche Ding ablaufen, wie in TEPCO-Fukushima.

Übrigens falls wer denkt, bei den etablierten Volksparteien hätte ein tatsächliches Umdenken eingesetzt, dem sei gesagt, dass das stimmt. Allerdings nicht in Sachen Kernkraft-Wirtschaft, sondern in Sachen politischer Kurzfrist-Strategie: „Sozialliberale Fortschrittseuphorie“: CDU erklärt Atomkraft zum Erbe Helmut Schmidts.

Um hier nicht den Eindruck zu erwecken, dies hier sei plattes Politiker-Bashing, möchte ich folgendes mich und Dich, Leser, fragen: Sind wir beim Lesen der Berichte über die Arbeiter von Fukushima nicht gerade froh, dass wir sicher und wohlbehalten in unseren Wohnungen sitzen, und dass das alles zwar ein klasse Wahlkampfspektakel abgegeben hat, bei dem sich endlich mal was bewegt hat, aber im Prinzip Fukushima doch sehr, sehr weit weg ist?

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