Ich will die Monarchie zurück 2


Manchmal wünsche ich mir die Monarchie zurück. Die gute alte
Vollzeit-Monarchie. Nicht so ‘ne demokratisierte Abklatsch-Monarchie, wie
bei den Inselsachsen. So ’ne echte. Einen Monarch (von mir aus auch eine -archin), der
einigermaßen fernsehtauglich daherkommt, die Grundrechenarten beherrscht,
und – der oder die – in einem fetten Palast sitzt, und ausser der
Blutlinie überhaupt keine weitere Qualifikation für den Job aufweist.

Da ist doch die Erwartungshaltung so was von einfach umrissen:

Tritt so ein Monarch nämlich vor die Öffentlichkeit und sagt irgendwas von
wegen Krieg gegen diese oder jene, dann meint der immer: Krieg für Kapital! “Aha!”, sagt sich der Untertan, die MonArsch(en)kasse wird langsam klamm! An was anderes denkt der sowieso nicht. Das war schon immer so. Einfach und klar.

Der Monarch ist genervt und dem Volk geht die Wurst aus. Der
König muss die Klamotten vom Vorjahr wieder auftragen, und der amtliche Weise tritt vor’s Volk und sagt: “Die da (Fingerzeig!) sind schuld.” Das ist dann ab sofort der Gegner. Klar und einfach.

Der Chef sagt “Krieg” und wir ziehen alle also schön mit. Bewegung tut gut, und wenn wir gewinnen tun, dann tut’s uns nochmal gut. Jedenfalls tut’s denen gut, die übrig bleiben, wenn wir uns alle doll anstrengen und im korreken Verhältnis zum Ergebnis, für’n Sieg sterben. Gefragt werden wir sowieso nicht und meckern hilft auch nicht, weil, ist ja Monarchie, nix Demokratie. Klar soweit?

Haben die anderen dann planmäßig verloren, wissen die automatisch, dass sie unseren Chef jetzt gut finden müssen. Sie bauen ein paar Statuen in die Landschaft, und der Titel vom Monarch wird noch ein wenig länger.

Oder aber, es läuft wider Erwarten dann doch alles ziemlich kacke, dann
macht man mal eben derbe Revolution, zerrt den MonArsch auf die Gasse und
zack! – Rübe ab. Zu den Gegnern sagt man: “Problem gelöst, wir haben den
MonArsch beseitigt. War alles ein Missverständnis. Diese Adeligen, pfffhh
… Nix für ungut. Macht’s man gut, bis demnächst.”

Danach sucht man dann in aller Ruhe ‘nen Nachfolger aus: “Der nächste bitte!
Was? Ja, die Klamotten werden gestellt, die Wohnung auch, aber für allen
weiteren Scheiss haftest Du mit Deinem Leben. Willst Du den Job? Ok.” Der
König ist tot, es lebe der König.

Das is‘ alles schön überschaubar und nachvollziehbar.

Nur bei uns ist’s wieder mal kompliziert. Wir haben gewählte Volksvertreter
und einen gewählten Volksrepräsentanten, der sich Präsident nennt. Wir sind die Bürger, quasi der Souverän, oder “Schwarm-Monarch”, und deshalb wird das “Wir ziehen-in-den-Krieg-und-verhauen-wen”, erst ziemlich kompliziert
ausformuliert (denn so darf man’s nicht nennen), in mehreren Waschgängen humanisiert und weichgespült, und dann halbherzig in Gang gesetzt. Auf jeder abgefeuerten Kugel steht dann so was wie: “Sorry, eigentlich haben wir Euch dolle lieb. Das ist alles ein grosses Missverständnis. Lasst uns Schulen bauen.” Auf jedem Sarg, der in die Heimat zurückkommt steht: “Sorry, im Krieg wäre er ein Held gewesen. Das hier war ein Unfall. Gibt deshalb etwas weniger Rente. Sorry.”

Egal, solange wir wissen, was gut für Euch ist, ist das alles gut für Euch. Doch, echt jetzt. Ihr versteht das vielleicht nicht im Moment, aber … das wird schon. Wir sind ja noch was da.

Sagt jetzt aber ein gewählter Präsident einer Demokratie, wie der unseren, jetzt aber so was ordinäres, wie:

“Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch
auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer
Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch
Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch
militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum
Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu
verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen
negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert
werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.” (aus BUNDESWEHR
Militäreinsatz für deutsche Wirtschaftsinteressen? – zeit.de
)

Ja, dann kann man das durchaus so verstehen:

“Köhler hat offen gesagt, was nicht zu leugnen ist. In Afghanistan
riskieren Bundeswehr-Soldaten Gesundheit und Leben für die Exportinteressen
riesiger Konzerne.” (Linkspartei-Chef Klaus Ernst) (aus BUNDESWEHR Militäreinsatz für deutsche Wirtschaftsinteressen? – zeit.de)

Na ja, da darf man dem Köhler eigentlich doch wirklich nicht gram sein, wenn
ihm mal unbeabsichtigt die politische Wahrheit zum Leben und Sterben für die
Bankenkohle rausrutscht. Der sagt, was andere denken. By the way, dem Köhler
rutscht ja öfter mal was raus:

Das Zeug zum Monarch hätte er damit ja …

Zurück zum Thema: Nee! Das ist blöd! Ich möchte das nicht kaufen!

In einer Demokratie sprechen die Volksvertreter auch für mich – und für Dich! Will ich das, was der Köhler da ausformuliert hat? Will ich, dass meine Mitmenschen für globale Konzerne in den Krieg ziehen? Nein! Das ist echt kacke. Deren Vorsitzende tragen keine Kronen, haben keine Gesichter, und haben ihre Paläste überall, nur nicht bei
uns, und von der Kriegs-Kohle sieht hier auch keiner mehr was. Den DAX am
Hindukusch verteidigen, wer will das schon?

Schlimmer noch: Köpfen, wenn’s schiefgeht, kann man heute auch niemand mehr. In einer
Demokratie sind das echt zu viele Köpfe. Die eigenen Aktien rauschen auch in den Keller, wenn man mal per Guillotinierung eine Vorstandsetage verschlanken würde. Die Börse spielt zwar dauerhaft das Stück “Des Kaisers neue Kleider”, aber die wechseln täglich die Schauspieler und haben noch nicht mal einen Regisseur. Das‘ is‘ doch auch kacke.

Wir haben keinen König mehr, wir haben nur noch einen bewaffneten
Handlungsreisenden
.

Georg Schramm hat das schon früh alles erkannt:

Nein, das will ich alles nicht. Krieg für Kapital! Nein, das will ich nicht. Auch keinen “Krieg für Öl”, wie man das Ganze bei den Amis so nennt. Nein, das will ich auch nicht.

Ich will ja gar nicht viel. Ich will Ehrlichkeit, Offenheit, Fairness, Brüderlichkeit, ein Auto, einen PeCee, Facebook, ab und an mal 3D-Kino und Ganzjahresbad, Öko-Bananen, …

In diesem Sinne: Der König ist tot, es lebe die Aktie.

… und schafft mir endlich einen MonArsch her, mein Gewissen macht schon Überstunden …


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2 Gedanken zu “Ich will die Monarchie zurück

  • RadicalRoyalist

    Schwierige Sache, das mit der Monarchie richtig hinzubekommen. Das ist viel Hirnschmalz notwendig, aber den Anfang hast Du ja gemacht.Hoffen wir auf’s Beste.

  • Jannik

    du selbst kannst die Monarchie hier nach Deutschland zurück bringen.1918 als verkündet wurde das ´´der Kaiser abgedankt hat´´ war das nur gelogen.Willhelm der Zweite von Preußen hätte zu stimmen müssen, hat er aber nicht. Die Republik wurde ohne zustimmen des Kaiser eingeführt. Zu dem Zeitpunkt war Willhelm in Belgien, ihm wurde geraten nach Berlin zu marschieren, mit Truppen die dem Kaiser noch treu waren. Dies lehnte Willhelm ab und blieb in Belgien,was klug war, wäre er gegangen und dabei gestorben wäre die Republik rechtskräftig dann hätte der Kaiser wirklich abgedankt. Stattdessen ging er ins exil in die Niederlande. Es ist gut möglich das es bald wieder eine Monarchie gibt, aber wenn eine parlamentarische Monarchie wie bei den Briten, dann kann der Kaiser kein Krieg beginnen.