Party vorbei, Kater da


Die Wahlkampfparty ist vorbei, die Wahl gelaufen und die Partygäste pflegen ihren Kater, oder liegen gerade besoffen in der Ecke. Ja, die AfD ist da gelandet, wo man sie hin vermutet hat. Nein, die CDU hat den Knall immer noch nicht gehört, wenn man die ersten Äußerungen der Parteigranden im Tevau hört. Ja, ich halte das Prozentergebnis der AfD für schlimm, weil es zeigt, wie verführbar Menschen – sogar in virtuellen Massen – sind, und wie anfällig für dumpfe rechte Slogans und Wischiwaschizahlen. Nein, deshalb wird die Welt nicht untergehen, denn der wahre demokratische Unterbau dieser Republik kann sich in den nächsten vier Jahren als stabil erweisen. Ich glaube auch, dass er das tun wird. Es gibt genug vernünftige Menschen in diesem Land.

Aber das gute Ergebnis dieser Wahl, und nein, ich meine das nicht ironisch, hat für mich die SPD eingefahren. Im Grunde konnte der SPD nichts Besseres passieren, denn jetzt besteht die Möglichkeit, in der Opposition wieder zu der SPD zu werden, die man mal gut gefunden hat. Ich hoffe mal, dass die Partei intelligent genug ist, Herrn Schulz nicht gleich wieder abzusägen. Ich finde den Mann gut. Und nein, ich bin kein SPD-Wähler. Trotzdem weiß ich, dass eine funktionierende Sozialdemokratie gebraucht wird.

Jamaika wird regieren. Herrn Lindner glaube ich kein Wort, wenn er eine Koalition mit FDP-Beteiligung als nicht unbedingt erstrebenswert verkaufen will. Außerdem ist es unredlich, für diese Aussage auch noch die SPD  – als Wahlverlierer – als Sündenbock heranzuziehen. Die FDP und die Grünen werden als Wahlsieger bezeichnet und die Verantwortung für Regierungsbildungen liegt ja wohl bei Wahlgewinnern. Da verbietet sich eine solche Argumentation. Auch wegen solcher rhetorischer Fechtereien ist mir die Aussicht auf Schwarzgelbgrün so lieb wie Bauchweh. Leider ist sie aber wohl die einzig reale. Die Grünen, nebenbei bemerkt, tun mir jetzt schon leid, weil sie ebenfalls schon vor Jahren ihre Seele verkauft haben und ich glaube nicht, dass sie sie zwischen Schwarz und Gelb wiederfinden werden.

Soviel aus dem Bauch heraus an diesem, noch jungen Wahlabend.

PS: Ach gugg mal, endlich mal wieder ’ne Berliner Runde mit etwas Pfiff. Da sieht man doch, dass das Wahlergebnis gar nicht so schlecht ist. Harmonie war gestern. Gut so.

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