Wasser und Internet – Kaputt?


In Nigeria ist ein Liter Wasser teurer als ein Liter Benzin.

Das ist ein Satz, den man als Bewohner eines der reichsten Länder der Welt erstmal wirken lassen sollte. Der Satz stammt von dieser Seite: Profitgier! Nestlé hat Wassernutzungsrechte erworben und lässt Fabriken bewachen und einzäunen! | – netzfrauen- netzfrauen

Es geht, wie nicht schwer zu erraten ist, um die Privatisierung von Wasser. Die Geschichte klingt altbekannt: Große, weltweit agierende Konzerne kaufen – bevorzugt in Ländern mit schlecht entwickelter Infrastruktur und mit wirtschaftlich schwachen Regionen – die Wasserrechte, und zwingen so die Menschen dort das dringend benötigte Grundnahrungsmittel zu kaufen, da es sonst in vertretbarer Qualität nicht zugänglich ist. Über den moralischen Irrsinn dieser Entwicklung muss man, denke ich, nicht lange diskutieren. Die Details dieser Entwicklungen kann man in oben verlinktem Artikel erlesen.

Es nutzt nun wenig den Managern dieser Konzerne ins Gewissen zu reden, denn diese Jungs tun lediglich wofür sie bezahlt werden: Aktienwerte mehren. Die offizielle Argumentationslinie dieser Konzernmanager ist deshalb auch folgerichtig die, dass Wasser ein ganz normales Lebensmittel ist, welches demzufolge auch ganz normal gehandelt werden kann. Soweit, so schräg.

Was hat das nun mit dem Internet zu tun? Nun, seit dem Artikel von Sascha Lobo, in dem er postuliert, nach den Snowden-Enthüllungen sei klar, das Internet sei kaputt, gibt es eine rege Diskussion im Netz, ob diese Aussage richtig sei. Es gibt Rede und Gegenrede dazu. Ich sage ja und nein zu dieser Sache. Es ist natürlich richtig, dass rein technisch gesehen das Internet nur ein Werkzeug ist und nur sein Gebrauch eben deshalb gut oder schlecht sein kann. Was dann logisch folgern lässt, dass das Internet an sich nicht kaputt ist, sondern nur unser Umgang damit. Insofern hat Lobo dann unrecht. Allerdings pointiert Lobo mit seiner Floskel nur und will eigentlich auf die Kränkung (im psychologischen Sinne) der ehemals euphorischen Siedler in Neuland aufmerksam machen, die das Internet für den Ort hielten, in dem die Krankheiten der Gesellschaften geheilt werden können und nun stellt sich eben heraus, dass lebensbedrohende Krankheiten unsere Gesellschaften im Netz erst recht und viel schneller infizieren. Geradeso, wie Bakterieninfektionen, die erst im Krankenhaus entstanden sind. Insofern hat er dann Recht mit seiner Aussage.

Ebenso ist es mit der Wasserversorgung aller Menschen auf dieser Welt: Die technische Seite ist zunächst nicht das Problem, sondern unser Umgang mit der Ressource und unsere Wertedefinition der Ressource ist das Problem. Die Fehler – bei beiden Sachverhalten – liegen im System und in den real vorhandenen Abhängigkeiten von Demokratie und Wirtschaft, die diese ungesunde Situation ermöglicht und gefördert haben.

Es wird ebensowenig nutzen, die Manager der Großkonzerne um Einsicht zu bitten, wie die NSA zu bitten, ihre Schnüffeleien einzustellen. Wir müssen unsere Gesellschafts- und Politsysteme reformieren, in denen diese Wucherungen entstanden sind. Dazu gehört erst einmal die Erkenntnis, dass jedem Menschen auf dieser Welt sauberes Wasser und Privatheit als Grundrecht zustehen müssen. Dazu gehört sicherlich auch der Boykott und der Verzicht auf Produkte von entsprechenden Großkonzernen und auf viele Bequemlichkeiten im Netz. Dazu gehört die Einsicht, dass wir hier in Deutschland nicht nur eine Energiewende durchziehen müssen, sondern auch eine Demokratiewende angehen müssen.

Bei Wasser und Internet haben Ereignisse stattgefunden (oder finden noch statt), die man ebenso wie Fukushima mit dem Wort Supergau bezeichnen kann. Das Problem ist nur, dass unsere Politiker – zum größeren Teil – diese Vorfälle nicht als solche erkennen. Wir sollten sie täglich mit unserem Verhalten darauf aufmerksam machen.

 

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