Mein Kaffee dampft im Troet.Cafe

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Mal ehrlich

Liebe Lesenden, wer Gedanken, Bilder und Meinung noch auf Plattformen teilt und konsumiert, die von Männern kontrolliert werden, die inzwischen selbst Gegenstand politischer Satire sind – und das nicht unfreiwillig –, der darf sich beim Sonntagmorgenkaffee schonmal fragen, ob das noch eine gute Idee ist.

Provokanter Einstieg? Ja, aber schauen wir uns doch mal die Lage an.

Wie ist die Lage?

X (ehemals Twitter) gehört Musk – einem auf rechts gedrehten Ingenieur mit Allmachtsphantasien. Instagram, WhatsApp und Facebook gehören Zuckerbergs Meta – auch bekannt als König aller Opportunisten. TikTok gehört ByteDance. Hier gibt es zwar keinen größenwahnsinnigen Oligarch, die Firma steht aber unter den Daten- und Sicherheitsgesetzen Chinas. Ich weiß nicht, ob das beruhigender ist.

Alle diese Firmen gehören zu einer digitalen Infrastruktur, deren Geschäftsmodell schlicht darin besteht, unsere Aufmerksamkeit zu verkaufen. An wen diese Daten verkauft werden, ist dann die nächste Frage. Zum Beispiel russische Interessengruppen, die bei amerikanischen Wahlen genau das haben: Interessen?

Kurze Gedanken

Ich könnte heulen, wenn ich mich daran erinnere wie überaus fantastisch Twitter als Idee einst war. Ich habe dieses Netzwerk echt geliebt. Kurze 140-Zeichen-Tweets abzusetzen, das war eine Herausforderung: fasse dich kurz und liefere trotzdem Inhalt. Tolle Schule. Facebook hingegen war nie wirklich mein Ding. Keine Ahnung warum, aber dieses Netzwerk war mir von Anfang an unsympathisch.

Der Punkt ist, auch ich bin Kunde für diese Art der Kommunikation. Weil aber die oben genannten Netzwerke für mich nicht mehr in Frage kommen, suchte ich nach Alternativen und fand: das Fediverse und Mastodon.

Fediverse und Mastodon

Ich bin damals, als Musk Twitter übernommen hat, zu Mastodon gewechselt. Mastodon funktioniert anders als die vorgenannten Netzwerke. Es gehört ins sogenannte Fediverse. Wer wissen will, was diese Begriffe bedeuten, dem empfehle ich diese Seite: Digitalcourage: Fediverse – Ihr Start ins wirklich soziale Medium. Dort werden die Unterschiede und Zusammenhänge der genannten Begriffe super erklärt. Nur soviel von mir: im Fediverse gibt es Instanzen, die ähnlich wie Twitter funktionen, aber auch solche die wie Facebook und Instagram funktionieren.

Entscheidend ist: Es gibt dort keinen Algorithmus, der entscheidet, was wir sehen. Keinen Konzern, der unsere Daten monetarisiert. Kein amerikanisches Hauptquartier, das auf Zuruf von Politikern Inhalte moderiert – oder eben nicht. Mastodon zum Beispiel ist dezentral, offen, europäisch liberal und läuft auf Servern, die von Menschen betrieben werden, nicht von Börsenkursen. Wer digitale Souveränität nicht nur als Schlagwort kennt, sondern ernst nimmt, ist dort gut aufgehoben. Und wer einfach nur in Ruhe schreiben und lesen möchte, ohne dabei beobachtet und bewertet zu werden – auch.

Hier beispielhaft ein paar meiner Troets/Toots:

  1. Loading Mastodon feed…

Demokratisch, weil dezentral

Noch ein Wort zu Mastodon: es ist also nicht einfach eine weitere Magnaten-Plattform mit anderem Logo. Als Teil des sogenannten Fediverse ist es ein Verbund tausender unabhängiger Server, die miteinander kommunizieren, ohne dass irgendjemand das Ganze besitzt oder kontrolliert. Wer auf troet.cafe schreibt, kann problemlos jemandem auf mastodon.social folgen, oder auf chaos.social, oder auf einer kleinen Instanz irgendwo in Finnland. Das Prinzip ist so simpel wie revolutionär: dezentral, föderiert, offen. Sehr demokratisch – und das ist alleine als Grund schon ausreichend.

Der Haken an der Sache

Wo ist also der Haken an der Sache? Nun, ohne fütternden Algorithmus muss der Nutzer selber tätig werden. Ihr müsst euch die Inhalte, die euch interessieren selber suchen. Und eventuell trefft ihr auf Menschen, die (Achtung!) komplett anderer Meinung sind als ihr.

Der zweite Haken (der keiner ist) ist die Tatsache, dass Server, die nicht werbefinanziert sind trotzdem Geld und tonnenweise Arbeitszeit kosten. Darum ist es nur anständig, wenn man die Betreiber mit Spenden unterstützt. Ein geringer Preis für tatsächliche Unabhängigkeit.

Wer das alles in Echtzeit zum beispiel im Troet.Cafe erleben möchte – in mundgerechten Häppchen statt in langen Sätzen –, ist herzlich eingeladen: jmatic.eu/wordpress/jo-im-troet-cafe oder direkt auf Mastodon unter @jo_jmatic@troet.cafe.

Letzte Warnung: Wer anfängt zu lesen, liest. Macht’s man gut.
der jo

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