Atompolitik und Landtagswahlen


Die Landtagswahlen am kommenden Sonntag in RLP rücken unaufhaltsam näher und Bürger muss sich entscheiden. Mittlerweile gibt es ja sogar hier zwischen ministerpräsidialem Amtsinhaber und Herausforderin TV-Duelle mit, ähem …, ja, zweifelhaftem Wert, würde ich meinen. Aber gut, dass muss jeder selber für sich herausfinden.

Nur soviel dazu: Die Kontrahenten werfen mit Zahlen und wertlosen Emotionen um sich, und die hochmodernen Fernsehanstalten sind nicht in der Lage, die Zahlen sofort und auf der Stelle zu überprüfen und Ergebnisse zu präsentieren. Das lieber SWR ist schwach. Mehr als schwach. Man könnte sehr simpel vorher mit den Kontrahenten vereinbaren, dass sie ihre Zahlen und Statistiken, die sie verwenden wollen vorher angeben müssen, damit der Sender sie prüfen, verifizieren und ggfs. grafisch darstellen kann. Dann wäre die ganze Zahlenspielerei überhaupt sinnvoll und transparent.

Mir wär‘ lieber, die Redezeit der Politprofis wäre um ein Drittel gekürzt, dann hätten die erstens nicht die Gelegenheit, alles doppelt zu sagen, und zweitens könnte man in der gewonnenen Zeit ihre Aussagen auf der Stelle überprüfbar präsentieren. Hinterher setzt sich doch kaum noch einer von uns bürgerlichen Wahlkampf-Voyeuren hin und recherchiert diese Zahlen aus dem Gedächtnis. Ich stelle meinen Vorschlag mal unter CC. Das meint, liebe Fernsehsender, den dürft Ihr gerne verwenden. 😉

Realpolitik geht derweil allerdings anders, und wie die funktioniert, das zeigt uns dieser Artikel: Atompolitik und Landtagswahlen – Brüderle: AKW-Moratorium ist nur Wahlkampf-Taktik – Politik – sueddeutsche.de

In dem Artikel wird beschrieben, wie Herr Brüderle vor der Spitze der deutschen Industrie, inklusive Führungsriege des Lobbyverbandes BDI eine Rede hält, oder halten will. Die Anwesenden im Saal erfahren aber in diesem Moment, dass die deutsche Regierung ein Moratorium beschließt und Kernkraftwerke abschalten will. Rumoren und Donnergrollen im Saal und Herr Brüderle sieht sich zu einer Reaktion genötigt, die wie folgt ausgefallen ist: 

Ausweislich des Protokolls der Sitzung gibt Brüderle darauf eine folgenschwere Antwort: „Der Minister bestätigte dies“, steht darin, „und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien.“ Im Übrigen sei er, Brüderle, ein Befürworter der Kernenergie, auch mit Rücksicht auf Branchen, die besonders viel Energie verbrauchen. „Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde“, befindet Brüderle laut Protokoll.

Liest sich erstmal harmlos, ist aber im Grunde derart demaskierend, dass es den Freunden und -eundinnen von CDU/CSU und FDP den Atem verschlagen müsste. Weil’s der Anlass hergibt, darf ich mich vielleicht mal auch mal selbst aus einem meiner letzten Liedtexte zitieren:

[…] Will uns der Brüderle den Biosprit als ökologisch gut verkaufen
dann lass’ ich ihn im Autosalon auf allen Vieren laufen.
Danach darf der Umweltminister Männchen machen üben
vor den Chefetagen der der Atomindustrie, die Presse wird es lieben. […]
(Ich würd‘ so gern – Virtu(ell)nwaswirkönnen)

Ja, da kann man mal sehen. Ich dachte, man müsste die zwingen sich zu entblößen, aber weit gefehlt: Die machen das freiwillig! Oder sagen wir so: Der Herr Brüderle war da vielleicht nicht so momentan. 😉

Schwarz-Gelb ist und bleibt die Atom- und Katastrophenkoalition. Da ist so mancher Kern sowieso schon geschmolzen und verstrahlt die Umgebung. Da gibt’s noch so manchen politischen Brennstab, der noch nicht endgelagert ist, denn Frau Merkel meint doch tatsächlich, dass man mit der Themenverquickung „Atomkraft und Arbeitsplätze“ noch Wahlkampf retten kann:

Merkel bekräftigte am Mittwoch ihre Devise vom „Ausstieg mit Augenmaß“. „Furcht ist kein guter Ratgeber“, sagte die Kanzlerin bei einer Wahlkampfveranstaltung. Es müsse darauf geachtet werden, dass Strom in Deutschland bezahlbar bleibe und dass keine Arbeitsplätze verloren gingen. (aus: Atom-Moratorium: Brüderle begründet AKW-Notstopp mit Wahlkampf – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik)

Sagenhaft. Es ist mir schleierhaft, wie man sich das noch trauen kann. Es ist mir aber noch schleierhafter, wie das funktionieren kann. Insofern bin dankbar für solcherart Satire, wie es ein paar junge und begabte Kreuznacher Filmemacher hingekriegt haben, in dem sie eine leckere kleine Satire zum Besuch von Merkel in Bad Kreuznach zu Wahlkampfzwecken produzierten und die handelnden Personen plus die ortsansässige Claqeurgarde mal sehr schön sinnentleert präsentierten. So funktioniert Wahlkampf. 

Randbemerkung an die Macher: Grandiose Musikauswahl! Extra3 hätt’s nicht besser hingekriegt.

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