Ewignebligsonntag


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Der Toten- oder Ewigkeitssonntag geniesst in Deutschland staatlichen Schutz. Das verwundert nicht, denn ansonsten wäre er wahrscheinlich schon längst Anschlagsziel einer atheistischen Gute-Laune-Zelle der Al Kaselzer geworden. So aber erstrahlt der evangelische Ewigkeitssonntag heute in seiner ganzen trüben, nassen, diesig-nebeligen Pracht. 

Ich muss allerdings zugeben, dass ich heute nicht umhin komme, die treffliche Passgenauigkeit von evangelischer Liturgie und meteorologischer Bühnenausstattung zu bewundern.

Tue ich heute wie mir geheißen, und reflektiere über das ewige Leben, welches mir freundlicherweise von findigen reformatorischen Theologen angeboten wird, dann möchte ich höflich, aber bestimmt anmerken:

Liebe Leute, wer sich den wettertechnisch fragwürdigsten Sonntag im Jahreskreis aussucht, um das Volk über die Ewigkeit reflektieren zu lassen und damit zum Konsum religiöser Komplett-Abos animieren will, der schätzt mich – als kirchlich sozialisiertes Landei und somit als Überlebender von zahllosen hirnzerfressenden Gottesdiensten – aber sowas von völlig falsch ein. 

Genauso falsch, wie die Politeusen dieser Republik, die diesen Toten-Tag heute nutzen, um in gewohnt deutscher Gründlichkeit die Terrorangst in Deutschland auf höchste Qualitätslevel zu hieven. Diesen Politikern möchte ich sagen:

Leute, ich bin im kalten Krieg groß geworden. Das heisst, ich lebte 24 Stunden, sieben Tage die Woche in der von Euch propagierten Gewissheit, dass der böse Russe atomare Böller auf mein Haupt werfen wolle, die mein Dorf, mein Land und meine Welt meine Videothek vernichten würden. Allerdings brauchte ich mir über üble russische Atomböller in Wirklichkeit keine Gedanken zu machen, denn wahrscheinlich hätten mich im Fall der Fälle vorher die atomaren Kurzstrecken-Böller unserer alliierten Freunde aus Frankreich getroffen. Man nannte das Vorne-Verteidigung. Von den aberdutzenden Atomunfällen militärischer und privatwirtschaftlicher Art in dieser Zeit will ich gar nicht erst reden. Im Rahmenprogramm dieser Epoche liefen kommunistische Agenten durch’s Kanzleramt und hausgemachte Terroristen hungerten in Stammheim, dem wahrhaft ersten Big-Brother-Container.

Meine Frage also ist: Wie um alles in der Welt kommt ihr auf den Gedanken, ich hätte heute vor Plastiktüten und Pappkartons Angst?

 

 

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