Heute ist Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.
Vor der letzten Bundestagswahl habe ich in diesem Blog aufgeschrieben (“Ich wähle klein – aus Überzeugung”), warum ich kleine Parteien wähle – und warum ich das nicht als verschenkte Stimme betrachte. Dieser Text steht noch. Ich stehe noch dazu. Aber ein paar Gedanken zur heutigen Wahl möchte ich ergänzen.
Der Kern meiner damaligen Argumentation war dieser:
„Ich wähle nicht taktisch, sondern strategisch. Taktik wirkt im Moment, Strategie richtet sich auf die Zukunft. Sie ist grundlegender, klarer strukturiert und nachhaltiger. Meine Strategie orientiert sich an meinen Werten – und an den Überzeugungen, die daraus entstehen.”
Das gilt heute genauso. Vielleicht sogar mehr.
Denn auf Landesebene ist Politik näher. Was im Landtag entschieden wird, betrifft Schulen, Pflegeeinrichtungen, Straßen, Polizei – Dinge, die ich täglich sehe oder spüre. Das macht die Wahl nicht leichter, aber es macht sie konkreter. Wer regiert, merke ich schneller.
Ich wähle Volt. Jeder darf das wissen. Ich weiß, dass die Partei es schwer haben wird, die 5-%-Hürde zu überwinden. Das wusste ich vor der Bundestagswahl auch. Meine Antwort darauf ist dieselbe geblieben: Ich nehme mit meiner Stimme an einem Marathon teil – nicht an einem Sprint.
Eine Stimme für Volt ist für mich kein Protest. Sie ist ein Ausdruck dessen, was ich mir von Politik wünsche: europäisch denken, liberal handeln, auf lange Sicht investieren. Ob das heute im Landtag direkt wirksam wird – ich weiß es nicht. Aber eine Demokratie, in der nur die Partei gewählt wird, die man für unausweichlich hält, wird ärmer.
Bundesland oder Bundesrepublik: Eine parlamentarische Demokratie braucht gewählte Überzeugungen – auf jeder Ebene. Darum auch der wichtigste Abschnitt am Ende:
An meine Freunde, die zur AfD tendieren: Ich glaube, ihr wählt eine Sackgasse. Nicht für uns alte Säcke und *innen, sondern für unsere Kinder und Kindeskinder, aber das muss jeder für sich herausfinden. Ich würde euch nur um eines bitten: Wählt aus wirklicher Überzeugung, nicht aus Protest, egal, wovon ihr letztlich überzeugt seid.
Macht’s gut – und geht wählen.
der jo
2 Kommentare
Hi jo,
20% AfD, SPD abgesägt. Was soll ma sagen? Ich denke, die Wähler haben deutlich gemacht, wo der Schuh drückt. Überzeugung hin, Überzeugung her. Die SPD hat halt in den letzten jahren verkackt. Hat halt nicht zugehört, hat nicht meine unsere probleme erkannt. Oder ignoriert? Ich weiß es nicht. Meine Meinung jedenfalls. Für Leute die AfD wählen ist Volt natürlich der Antichrist. Find’s mutig, dass Du so Stellung beziehst, aber so kenn ich dich.
Machsman gut
Torsten
Hallole Torsten,
ich bin entsetzt. Über 27% der 18-24jährigen haben AfD in RLP gewählt. Eine Partei, die eine extrem neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik verfolgt – mit angekündigten Steuersenkungen für Spitzenverdiener und ebenso angekündigten Einschnitten bei Sozialleistungen und beim Bürgergeld. Mal ganz davon abgesehen, dass sie rechtsextrem unterwandert ist und einen Nationalismus propagiert, der in den Geschichtsbüchern eine Misserfolgsquote von 100% aufweist.
Für die betroffene Klientel, die hier (wahrscheinlich nicht) mitliest: eure 27% AfD-Anteil bedeuten also allgemeinsprachlich: ich säge den Ast ab, auf dem ich sitze. :/
Zum Thema Mut: man braucht noch keinen Mut um seine Meinung in Deutschland zu sagen. Man muss nur die Gegenrede aushalten und evtl. akzeptieren, dass man Sch****e geredet hat. Das ist ein wichtiger Wert, den unsere Demokratie hervorgebracht hat. Drum machen mich die 27% Leichtsinn so fuchsig, weil sie all das aufs Spiel setzen – und das ohne Not.
Danke für Deine Rückmeldung
🙂 jo