Ich bin Fan von Polaroidaufnahmen.
Zuallererst natürlich weil: Ich bin halt auch alt genug, um mich an das Aufkommen dieser besonderen Fotoerscheinung zu erinnern. Mama und Papa kauften nämlich eines Tages eine Polaroid-Kamera. Wir Kinder waren fasziniert von dieser ultramodernen Sache. Um mich war es in dem Moment geschehen, als ich diese Kamera in der Hand hatte und auf den Auslöser drückte. Dieser erste Moment, als das Stück Papier aus der Kamera kam – das war mein Terry-Pratchett-Technomagie-Moment: Du schüttelst ein Stück Plastik, und irgendwie entscheidet Silberbromid über das Licht, das vor drei Minuten existiert hat – und dann ist da ein Bild. Das ist Technik die Magie ist, die Technik ist.
Der erste Spaß hielt natürlich nur ein paar Minuten und ungefähr 10 oder 12 Bilder lang an. Ich weiß nicht mehr genau wieviele Fotos in einer Kassette waren. Jedenfalls war die Kassette mit den Blättern superschnell in Fotos mit sehr sehr alltäglichen Motiven transformiert und der Haken an der Sache war dann auch klar. Die Bilder waren teuer.
Aber genau diese alltäglichen und spontan erfassten Motive sind für mich Teil des Zaubers. Es ist eine eigene Art zu fotografieren, denn ich halte Polaroids für Schnappschüsse – im allerbesten Sinne.
Was Polaroids besonders macht
Der Reiz dieser Fotos liegt meiner Meinung nach in der Unvollkommenheit. Heute würde ich es sogar – wie eben schon erwähnt – als ein ästhetisches Prinzip sehen. Die Farben sind oft etwas pastellig, die Ecken manchmal unscharf, die Belichtung nicht perfekt. Aber genau das macht den Charme aus! Durch die Art der Entwicklung bekommt jedes Bild eine ganz eigene Ausstrahlung. Polaroids wirken immer ein bisschen wie kleine Kunstwerke, die nicht zu ernst genommen werden wollen. Sie haben so eine unperfekte Schönheit, die einfach nicht zu toppen ist.
Nimmt man die nüchterne Perfektion mit der die Smartphone-Kameras heute „Schnappschüsse“ ermöglichen, dann könnte man sagen: ein Polaroid lügt auf eine sehr charmante Art und Weise. Die leicht ausgewaschenen Farben, die verwaschenen Details, der weiche Kontrast, die Körnung – das alles tranformiert Realität in eine Stimmung. Möglicherweise kommt auch die Tatsache hinzu, dass alles immer in einem Rahmen präsentiert wird. Der Rahmen zentriert den Blick und erinnert mich gleichzeitig an ein Fenster durch das man in die Vergangenheit blickt.

Fast vergessen
In den Neunzigern und Anfangs der Nullerjahre wurde die Polaroidfotografie mit dem Aufkommen der digitalen Kameras fast verdrängt. Ich selber habe in dieser Zeit aber sehr schnell wieder versucht in der digitalen Welt bei dem Polaroid-Prinzip zu bleiben. Das Mittel meiner Wahl war damals das iPhone 3GS. Mit ihm und einer Polaroid-App habe ich super gerne Schnappschüsse erstellt. Die Kamera des 3GS war wirklich nicht gut – und genau das war für mich perfekt.
Ich nutze im Moment die App Nomo Cam – Point and Shoot (App Store Link) mit meinem iPhone für meine Polaroids. Ja, ich weiß, das ist nicht das Fotogafieren mit einer echten Polaroid-Kamera, aber für mich kommt es verdammt nah ran – auch weil ich mir angewöhnt habe Schnappschuss- like zu knipsen. 😉
Zur Veranschaulichung haue ich hier einfach mal ein paar neue Polaroids vom Wochenende rein.
Aktuelle Polaroids
Das war‘s auch schon für diesmal.
Macht‘s man gut.
jo