Messengerdschungel

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Weil ich seit der Ankündigung der AGB-Änderungen bei WhatsApp oft gefragt werde, was man denn nun tun solle, schreibe ich hier mal ganz allgemein ein paar meiner Gedanken zum Thema Messenger auf.

Vorweg: ich nutze privat Telegram, Threema und Signal. Beruflich nutze ich ausschließlich Threema. WhatsApp habe ich schon vor vielen Jahren für mich verworfen.

Mir war damals schon das desinformative und – schlimmer noch – langweilige Grundrauschen in den Gruppen bei WhatsApp zu groß. Als dann klar war, dass Facebook seine Finger an WhatsApp dran hat, war für mich klar, diesen Dienst nicht zu nutzen. Jede einzelne Nutzerin und jeder einzelne Nutzer ist bei Facebook und ähnlichen Firmen das Produkt. Sprich, das vermeintlich kostenlose Angebot ist genau das eben nicht, denn die User-Daten sind die übergroßen Datenspenden an diese amerikanischen Firmen. Diese Meta-Daten werden verknüpft, verkauft und analysiert. Das Ganze ohne große demokratische Kontrolle und völlig außerhalb meiner Bürgerrechte. Sorry, da bin ich raus.

Zu den Messengern meiner Wahl:

Telegram ist ein etablierter Messenger und weist stattliche Nutzerzahlen auf. Technisch ist er WhatsApp schon lange voraus. Mittlerweile geistern aber echt viele schlechte Artikel durchs Netz, in denen geschrieben steht, warum man Telegram nicht nutzen sollte. In diesen Artikeln steht unglaublich viel Blödsinn drin. Eins dieser Argumente ist, dass Telegram von Extremisten, Verschwörungstheoretikern etc. genutzt wird. Darum sei Telegram gefährlich und böse. Ja, Telegram wird von solchen Menschen genutzt, genauso wie diese Menschen Straßen, das WorldWideWeb im Allgemeinen, das Telefon, die Luft und so weiter nutzen. Darf ich jetzt auch diese Dinge nicht mehr nutzen? Also, das ist ein sehr seltsames Argument.

Auf der anderen Seite muss man allerdings auch konstatieren, dass rein technisch betrachtet Telegram nicht sicherer als WhatsApp ist. Das ist ein Fakt. Die Meta-Daten der Chatnutzung landen auf ausländischen Servern, die nicht der DSGVO unterliegen. Die Chat-Daten landen auf den gleichen Servern. Die Betreiber sind ebenso Geschäftsleute, wie die Leute hinter Facebook. Das sollte jedem Nutzer klar sein.

Telegram ist trotzdem demokratischer als WA. Telegram ist Open-Source, sprich sein Programm-Code ist für jedermann einsehbar. Die Betreiber haben sich auch schon mit diversen Administrationen angelegt, die an die Meta-Daten von Nutzern heranwollten. Bisher haben sie dies mit Erfolg verhindert. Telegram fordert aber auch mehr Aufgeklärtheit vom Nutzer, denn die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung muss zum Beispiel bewusst als Chatart zwischen zwei Nutzern gewählt werden. Auch das sehen einige als Argument gegen Telegram. Ein Argument, welches ich wiederum überhaupt nicht verstehe, denn wie kann ein aufgeklärter Mensch mit demokratischer Grundhaltung etwas gegen Wahlfreiheit haben? Ich muss doch nur meine Wahl treffen und kommuniziere dann so sicher, wie ich es eben eingestellt habe.

Ok, der nächste Kandidat ist der Open-Source-Messenger Threema. Threema unterscheidet sich insofern von den anderen Messengern, als er komplett anonym genutzt werden kann und alle Vorgaben der DSGVO unterstützt. Man bekommt bei der Einrichtung eine ID und das war’s. Die Eingabe von Telefonnummer und Name sind optional. Kurioserweise überfordert diese Tatsache schon manchen Nutzer, wie ich in meinem beruflichen Leben feststellen kann. Anyway. Die Chats bei Threema sind durchgängig verschlüsselt und werden nicht auf Servern gelagert. Sprich, der Nutzer ist selber dafür verantwortlich, dass Backups (verschlüsselt) von seinen Chats gemacht werden, wenn er Interesse an einem Archiv hat. Auch das überfordert manche. Keine Ahnung, warum ich gerade daran denke, dass Demokratie eher nichts für couchfaule Facebooknutzer ist.

Anmerkung: der letzte Satz ist politisch völlig unkorrekt und wird von mir im Fall des Falles natürlich komplett und mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns zurückgenommen.

Signal wird im Moment als das bessere WhatsApp gehandelt. Das ist natürlich übertrieben, aber auch nicht unwahr. Signal unterliegt zwar nicht der DSGVO und es fordert ebenso die Kontaktdaten (Telefonnummer und Name) der Nutzer ein, wie WhatsApp und Telegram. Es ist allerdings ebenfalls Open-Source und kein Kind eines aktienorientierten Unternehmens. Signal ist für Privatpersonen – datenschutztechnisch betrachtet – besser als Telegram und WhatsApp. Keine Frage. Wie stabil und unabhängig der Dienst bleibt, ist eine andere Frage.

Mein Favorit ist Threema. Europäisches datenschutzkonformes Messaging mit einem soliden Finanzkonzept. Das überzeugt mich.

Für Firmen und Unternehmen rate ich sowieso und definitiv zu Threema, respektive ThreemaWork. Diese Firma hat aus oben genannten Gründen die besten Aussichten auf eine dauerhaft unabhängige Existenz und ist somit zukunftssicher und Datenschutzrechtlich unbedenklich.

Soweit meine Ansicht der Dinge. Bis dann dann.

jo

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