Über intuitives Essen, Nachrichtenkonsum und Mangel
Ich habe vorletzte Woche in „Rausch und Rauschen“ über die innere Stimme geschrieben, die in unserer schnellen Überflusswelt langsam stirbt. Heute will ich den Gedanken aus anderer Perspektive in einer Art „Teil II“ fortführen.
Es gibt diesen Moment, den jeder kennt, der schon einmal eine Diät gehalten hat: Man steht vor dem Kühlschrank, hat eigentlich keinen Hunger, aber der Kopf und die Diät sagen, es sei jetzt die richtige Uhrzeit. Oder man hat Hunger, aber die Diät sagt, es sei die falsche Uhrzeit. Oder, dieses eine Stück Käse sei erlaubt und jenes verboten. Wie auch immer – unter all diesen Regeln ist das simple Signal, das der Körper eigentlich senden wollte, längst verstummt. Man hört nicht mehr, ob man Hunger hat. Man hört nur noch die Buchhaltung.
Evelyn Tribole und Elyse Resch haben diesem Zustand 1995 einen Namen und einen Gegenentwurf gegeben, „intuitives Essen“. Das ist kein Ernährungsplan, sondern die Weigerung, einen zu haben. Die Grundthese: Der Mensch kommt mit einem funktionierenden Regelsystem zur Welt – Hunger, Sättigung, Appetit –, und die Diätkultur beschädigt genau dieses System, indem sie es durch externe Vorschriften ersetzt. Wer wieder essen lernen will, muss nicht die bessere Diät finden, sondern die Diät als Kategorie verlassen und dem Körper wieder zuhören. Das hört sich im ersten Moment toll und einfach an, aber wie alle „hört-sich-toll-an“-Dinge, ist es erstens nicht so einfach und zweitens nicht so simpel, wenn man auf die Gesellschaft als Ganzes blickt. Doch dazu später mehr. Zunächst noch ein ergänzender Gedanke:
Ich frage mich seit einer Weile, ob dieselbe Grundthese so – oder ähnlich – auch für das Denken gilt. Genauer: für den Nachrichtenkonsum, diese seltsame Tätigkeit, mit der wir mehrmals täglich unser Weltbild füttern, ohne je darüber nachzudenken, ob wir eigentlich Hunger haben. Und ich frage mich, ob die Antwort am Ende dieselbe ist wie beim Essen – nämlich: Ja, aber. Ja, hör auf deine inneren Signale. Aber sei nicht so naiv zu glauben, dass das genügt.
Der Appetit und die Umgebung
Die Übertragung funktioniert deshalb so verstörend gut, weil das Grundproblem dasselbe ist. In beiden Fällen trifft ein evolutionär sinnvoller Appetit auf eine industriell optimierte Überflussumgebung, die genau diesen Appetit ausbeutet.
Der Hunger nach Nahrung war über Jahrtausende ein zuverlässiger Ratgeber, solange Nahrung knapp war. In einer Welt aus Zucker, Fett, MacDonalds und Zwölf-Stunden-Supermärkten wird er zur Falle. Und der Hunger nach Orientierung – zu wissen, was um mich herum geschieht, was relevant ist für mein Handeln, wovor ich mich in Acht nehmen muss – war ebenso sinnvoll, solange Information knapp und teuer war. In einer Welt aus endlosen Feeds, Push-Nachrichten und einer Aufmerksamkeitsökonomie, die nicht von meiner Orientierung lebt, sondern von meiner Erregung, wird auch dieser Hunger zur Falle.
Wie tief dieser Orientierungshunger sitzt, spitzt der von mir gern gelesene Yuval Noah Harari in „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ zu, indem er Gedanken von Robin Dunbar (Anthropologe) aufgreift. Was den Sapiens von den anderen Menschenarten unterschieden habe – vom Neandertaler, vom Erectus –, sei nicht zuerst der Werkzeuggebrauch oder die Faust gewesen, sondern der Tratsch. Sprache, so die These, entwickelte sich vor allem, um soziale Information zu tauschen: Wer ist verlässlich, wer betrügt, mit wem hält es die Gruppe, wovor muss man sich hüten. Klatsch war überlebenswichtig, und weil er überlebenswichtig war, wurde er mit Lust belohnt. Der Mensch wurde zum Menschen, indem er ein unstillbares Bedürfnis entwickelte, zu erfahren, was die anderen treiben. Der Hunger nach Orientierung ist also kein modernes Laster. Er ist der domestizierte Nachfahre des Lagerfeuer-Tratsches, mit dem alles begann.
Und hier kommt schon die Schlaraffenland-Pointe: Was den Menschen zum Menschen machte, verkauft man ihm heute im Kapitalismus portionsweise zurück, bis er daran erstickt. Der Feed – die Timeline – ist das Lagerfeuer, an dem niemand mehr aufhört zu reden und keiner mehr zuhört.
Die Nachrichtenindustrie liefert nämlich, genau besehen, selten das, wonach der Orientierungshunger verlangt. Sie liefert dessen Zuckervariante: das Erregende, das Empörende, das Dringliche, das sich anfühlt wie Relevanz, aber keine ist. Es ist der Unterschied zwischen einer Mahlzeit und einem Snack, der süchtig macht und nie satt. Checkt mal eure aktuelle Facebook-, Instagram- oder sonstwas Timeline und prüft mal, ob da was dran sein könnte.
Jedenfalls lohnt es sich hier genau hinzusehen, denn Zucker und Erregung sind nicht bloß ähnlich, sie sind dasselbe Prinzip. Beides sind Signalstoffe, die das System kapern. Süße hieß dem steinzeitlichen Körper: reife Frucht, seltene Energie, greif zu. Erregung hieß dem steinzeitlichen Geist: Gefahr, Neuigkeit, pass auf. Beide waren als knappe, kostbare Signale angelegt, und beide werden nun industriell in Mengen produziert, für die uns jeder Abschaltmechanismus fehlt. Der Junkfood-Konzern und der Aufmerksamkeitskonzern betreiben, nüchtern betrachtet, dasselbe Geschäft: die Isolierung und Übersättigung des einen Signals, das süchtig macht, auf Kosten der Substanz.
Die stumpfe Sättigung
Man könnte nun einwenden, der Körper habe doch eine Notbremse. Beim Essen jedenfalls gibt es ein Stopp-Signal. Der Magen dehnt sich, Hormone melden Sättigung, irgendwann will man nicht mehr. Ja, „irgendwann“. Das Signal ist da – keine Frage, aber es ist träge, es lässt sich übergehen. Die ganze Kunst des intuitiven Essens besteht darin, dieses Signal, das die Diätkultur übertönt hat, wieder hörbar zu machen. Es ist schon da. Man muss es nur freilegen.
Bei den Nachrichten gibt es dieses Sättigungssignal in ähnlicher Form auch. Der Kopf meldet Sättigung sehr wohl: die Unkonzentriertheit nach der vierzigsten Minute, das Wort, das man dreimal liest und nicht behält, das Abschweifen, die dünne Gereiztheit, dieses diffuse Unwohlsein, das einem sagt, es sei genug. Der Geist ermüdet, und er zeigt es.
Das Signal ist also da. Aber es ist von anderer Art als bei der Nahrungsaufnahme. Beim Essen ist der Signalfluss Richtung Sättigung simpel und direkt: Der Magen ist voll von der Nahrung, die ihn füllt, und das Signal sagt von diesem Ding genug. Es ist an den Inhalt gekoppelt. Die kognitive Ermüdung dagegen ist stumpf. Sie sagt nur von Verarbeitung überhaupt genug, nie von diesem hier genug, von jenem noch nicht. Sie unterscheidet nicht. Sie kennt kein Thema, keine Relevanz, keine Qualität – nur die schiere Last.
Aber genau dieses Signal hebeln die Feeds gekonnt aus. Sie übertönen dieses stumpfe Signal nicht, wie die Diät den Hunger übertönt – sie überschreiben es. Der Erregungskick der nächsten Empörung reaktiviert den erschöpften Kopf künstlich, fährt über die Müdigkeit hinweg, holt aus dem satten Geist noch einen Klick. Man ist mental längst voll und scrollt weiter, weil die Erregung die Erschöpfung überstimmt. Beim Essen gibt es das auch – das Dessert, für das noch Platz ist, obwohl man satt war. Das mag beim Essen auch gerne die Ausnahme sein, beim Feed ist es das Betriebsprinzip. Ich habe – aus einem anderen Betrachtungswinkel – auch darüber schon in „Rausch und Rauschen“ geschrieben.
[Ironie an] Diesen durchaus hinterhältigen Hinweis gebe ich nur, damit, wer jetzt seine informationelle Erschöpfung verspürt, zum nächsten Input getrieben wird – harharhar. [/Ironie aus]
Wir, die Nachrichtenkonsumenten, haben also durchaus ein Sättigungsgefühl, nur taugt es nicht für die Aufgabe. Es sagt uns, ob wir genug haben, nie wovon. Es kann „hör auf“ rufen, aber nicht „hör mit diesem auf, nicht mit jenem“ – und selbst dieses stumpfe Genug wird uns von einer Umgebung überschrieben, die genau darauf spezialisiert ist. Das ist der Grund, warum die schöne Rede vom „achtsamen Medienkonsum“ so oft folgenlos bleibt: Sie unterstellt ein feines inneres Maß, wo wir oft nur ein grobes haben, und ein zuverlässiges, wo es systematisch überstimmt wird.
Unsere Fehlernährung
Doch die Menge ist ohnehin nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist die Substanz.
Denn auch beim Essen fallen Sattheit und Güte auseinander. Hochverarbeitetes Zeug macht satt und ist trotzdem schlecht. Es liefert Kalorien ohne Nährwert, füllt den Magen und unterversorgt den Körper. Das Sättigungsgefühl meldet „genug“, während die Substanz „Mangel“ verursacht. Man kann sich satt essen und dabei den Körper trotzdem hungern lassen – langsam, unsichtbar, an allem, was fehlt.
Genau so ist die Filterblase: sie ist die Junkfood-Diät des Denkens. Der Mensch in der Blase ist nicht nur zu voll. Er ist fehlernährt. Er bekommt reichlich, fühlt sich gesättigt, orientiert, versorgt – und ist es substanziell nicht. Das erklärt sogar, warum die Blase sich von innen so behaglich anfühlt: Junkfood schmeckt ja gut, das ist der ganze Sinn der Übung. Niemand bliebe in einer Blase, die sich unbefriedigend anfühlte.
Allerdings gibt es hier doch einen Unterschied, den ich nicht wegargumentieren kann, auch wenn ich das gerne können würde: Bei der Nahrung gibt es einen halbwegs objektiven Maßstab für „gut“: Biochemie, Nährwerte, Mangelerkrankungen zeigen harte Werte. Man kann messen, dass jemand an Skorbut (Mangelernährung) leidet, egal wie satt er sich fühlt. Bei der Information ist das nicht so einfach, denn jeder hält seine Quellen für die nahrhaften. Für die Fehlernährung des Denkens gibt’s halt kein Labor, das sie zweifelsfrei feststellen könnte. Die Fehlernährung erkennen wir mühelos bei anderen, leider nur selten bei uns selbst. Da hängen wir dann an einem uralten Problem, indem wir den Splitter im Auge des Anderen sehr schnell sehen, den Balken im eigenen Auge aber dummerweise nicht erkennen können.
Es ist deshalb verführerisch, auf den Nachbarn zu zeigen, der in seiner Blase sitzt und sich für den einzig Informierten hält. Aber die Blase ist keine Eigenschaft der anderen. Sie ist die allgemeine Form dessen, der seiner Informationsintuition traut. Das ist der Balken im eigenen Auge.
Die Uniform
Wie aber verschwindet die Unterscheidbarkeit? Auf demselben Weg, oben wie unten. Über die Gleichmacherei der Form.
Auch darüber habe ich in „Rausch und Rauschen“ schon geschrieben: Auf den Plattformen werden in der Timeline und in Profilen in sauberer und einfacher Käfighaltung alle gleichgemacht (gleiche Schrift, gleiche Felder) zur simplen, für jedermann zugänglichen, Nutzung. Und wo alle gleich aussehen, entscheidet nur noch wer am lautesten schreit.
Die Lebensmittelindustrie tut mit dem Geschmack, was die Plattform mit der Form tut. Auch sie legt eine Uniform über alles: die Glasur aus Zucker, Fett und Salz, die über der Fertigsuppe liegt wie über den Frühstücksflocken, damit jedes Produkt gleich zugänglich schmeckt, gleich sofort belohnend, gleich unwiderstehlich beim ersten Bissen. Die feinen Unterschiede – das Bittere, das Herbe, das Säuerliche, das sich erst beim zweiten Hinschmecken erschließt – werden weggeglättet. Wie die algorithmische Vereinheitlichung der Form die Stimmen ununterscheidbar macht, so macht die industrielle Vereinheitlichung des Geschmacks die Speisen fast ununterscheidbar. Und beide begründen es mit Zugänglichkeit, mit „für alle“, mit einer Art demokratischem Versprechen. Man könnte es für Gleichheit halten. Es ist aber nur Gleichförmigkeit.
Und beide zerstören denselben Sinn. Bei den Nachrichten stirbt, wie ich in „Rausch und Rauschen“ geschrieben habe, die innere Stimme – der Zweifel, jene leise Rückfrage, mit der einst das Wissen begann. Beim Essen stirbt der feine Geschmack – die Fähigkeit zu schmecken, dass etwas fad ist, bitter, komplex, nicht sofort belohnend. Es sind im Grunde dieselben Sinne: die langsamen. Die, die Zeit brauchen. Wer nur noch Zucker schmeckt, schmeckt die Karotte nicht mehr. Wer nur noch Empörung hört, hört den Zweifel nicht mehr. Es ist ein und dieselbe Verarmung, einmal auf der Zunge, einmal im Kopf.
Das Lob des Mangels
Und damit bin ich an dem Punkt, um dessentwillen ich das alles geschrieben habe. Denn es liegt ja der Schluss nahe, die feinen Sinne müssten eben trainiert, geschützt, gepflegt werden – mehr Achtsamkeit, mehr Medienbildung, mehr guter Wille und mehr Disziplin. Das stimmt auch, und ich komme darauf zurück. Aber es fehlt eine Voraussetzung, ohne die all das nicht greift, und sie klingt paradox:
Es mangelt uns an Mangel.
Wer alles hat, muss nicht wirklich wählen, und wer nicht wählen muss, verlernt das Wählen – das Schmecken wie das Zweifeln. Der Hunger schärft den Geschmack: Jeder weiß, dass Brot und Käse nach einem langen Tag draußen besser schmecken als jedes Festmahl im Überdruss. Und die Stille schärft das Gehör: Der Zweifel braucht Weißraum, um hörbar zu sein – genau den Weißraum, den die Timeline nicht kennt, weil in ihr der nächste Beitrag den vorigen überschreibt, ehe er gelesen war. Weißraum ist nichts anderes als der typografische Name für Mangel. Die Pause ist ein Mangel an Reiz. Und in dieser Leerstelle allein kann etwas entstehen. Jeder gute Musiker hat das gelernt.
Ich drehe mal das gewohnte Bild um. Wir behandeln den Mangel als das Problem, das der Überfluss endlich gelöst hat – kein Hunger mehr, keine Informationsarmut mehr, alles jederzeit für alle. Doch der Mangel war nie nur das Problem. Er war die Bedingung, unter der Geschmack, Urteil und Zweifel überhaupt arbeiteten. Und der Überfluss hat nicht den Mangel beseitigt, sondern die Fähigkeiten, die der Mangel hervorbrachte. Anders gesprochen: Fülle macht taub. Knappheit macht hörend.
Fasten, Stille, Langeweile, der leere Nachmittag, das ungefüllte Warten an der Haltestelle, das man heute reflexhaft mit dem Blick aufs Display zuschüttet – lauter Formen kultivierten Mangels, die früher selbstverständlich zum Leben gehörten und die man nun mühsam wiederentdecken muss, weil sie die einzige Umgebung sind, in der die inneren Sinne sich erholen. Das Fasten war nie bloß Verzicht. Es war immer auch die Wiederherstellung des Geschmacks. Und die Stille war nie bloß Abwesenheit von Lärm. Sie war die Bedingung des Hörens.
Zwei ehrliche Einwände
Zwei Dinge gibt es, die ich am Ende noch hinzufügen muss, weil ich hier nicht als simpler Verzichtsprediger enden will.
Der Mangel, den ich meine, ist nicht der wirkliche. Realer Mangel – Armut, Hunger, Informationsarmut unter Zensur – ist kein inspirierender Zustand, sondern Elend, und die Geschichte war nicht deshalb reicher an innerer Stimme, weil die Leute hungerten. Was ich meine, ist der gewählte, kultivierte Mangel des Satten: die Fähigkeit dessen, der alles haben könnte, freiwillig wegzulassen. Und das ist ein Luxus. Fasten kann nur, wer essen könnte. Weißraum leisten kann nur, wer den Lärm abstellen darf, wer die Zeit hat, die Muße, das Umfeld, das Reflexion belohnt statt bestraft. Der achtsame Konsum, das intuitive Essen, das kultivierte Wenig – all das sind Praktiken der Mittelschicht – das will ich nicht verschweigen.
Die zweite Sache: Die Kur ist individuell, die Krankheit gesellschaftlich. „Iss intuitiv, konsumiere achtsam“ verlegt die Verantwortung für ein strukturelles Problem in den einzelnen Menschen – und lässt die Umgebung, die krank macht, ungeschoren. Man kann jemandem, der in seiner Fehlernährung sitzt, schlecht raten, doch bitte auf seine inneren Signale zu hören, wenn genau diese Signale das Produkt der Industrie sind, die ihn fehlernährt. Der Sensor, der ihm sagen sollte, was gut für ihn ist, ist ja nicht bloß übertönt wie der Hunger unter der Diät. Er ist umprogrammiert.
Und daran erkennt man, woran gutes Essen zu erkennen ist – nicht am Sättigungsgefühl, sondern am Wissen: Nährwerte, Zutaten, ein gelerntes Urteil darüber, was der Körper braucht. Nennen wir es Ernährungsbildung. Und woran gute Information zu erkennen ist – ebenfalls nicht am Gefühl, sondern an einem gelernten Urteil: Quellen prüfen, Widerspruch aushalten, Komplexität ertragen, den eigenen Zweifel nicht als Makel, sondern als Erkenntnis begreifen. Nennen wir es Medienbildung. In beiden Fällen reicht die Intuition für die Menge, aber die Qualität verlangt ein erworbenes Urteil. Der Körper kann „genug“ fühlen, aber nicht „gesund“ schmecken. Der Geist kann „orientiert“ fühlen, aber nicht „wahr“ erkennen. Beides muss gelehrt werden, früh und selbstverständlich, so früh wie das Lesen.
Damit ist für mich intuitives Essen als Denkmodell auch klar: Es ist ein Anfang, kein Ziel. Der erste Schritt ist, überhaupt wieder zu fragen: Habe ich eigentlich Hunger, oder ist das nur die Buchhaltung? Und beim Denken der zweite, den es beim Essen nicht braucht: Und wenn ich Hunger zu haben glaube – wer hat ihn mir eingeredet?
Nochmal zur Klarstellung am Ende: Ich spreche hier nicht von Selbstoptimierung. Ich ermahne uns alle über Fragen der Erziehung, der Bildung nachzudenken, und das unter dem Gesichtspunkt, welche Gesellschaft wir haben wollen. Eine, die entscheidet, ob sie ihren Mitgliedern die feinen, langsamen Sinne beibringt – oder eine, die es jedem überlässt, still zu verkümmern, im Zucker und im Rauschen.
Macht’s man gut
jo