Facebook-Seiten abschalten?

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Große Verunsicherung. Und Frust. Viel Frust. Ich rede von den vielen kleinen Facebook-Nutzern, die auch Facebook-Seiten betreiben. Egal ob Firma, Handwerksbetrieb oder Band, alle sind betroffen. Betroffen vom Urteil welches am vergangenen Dienstag vom EuGH gefällt hat. Nach diesem Urteil steht fest, dass Betreiber von Facebook-Seiten für Facebooks mutmaßliche Datenschutzverstöße mithaften (EuGH, Urteil vom 05.06.2018, Az. C-210/16, Pressemitteilung).

Allerdings beginnt hier auch das große Missverständnis. Viele Facebook-Seitenbetreiber schalten gerade ihre Seiten ab, weil sie fürchten auf der Stelle abgemahnt zu werden. Artikel wie dieser hier:

Quo vadis, Facebook? Rechtsexpertin erklärt die dramatischen Folgen des EuGH-Urteils für Netzwerk und Nutzer

schüren diese Angst noch. Ich sag’s gleich: so schlimm, wie dort beschrieben, ist es überhaupt nicht. Das ist so ein Artikel, der, wie mir scheint, doch ziemlich auf hohe Klickrate ausgelegt ist. Worte wie ’dramatisch’ stehen nie zufällig in Titeln, wenn ihr wisst, was ich meine. Auch hätte sich die Verfasserin und Rechtsexpertin dort, wohl etwas schlauer lesen sollen, bevor sie ihre Zeilen veröffentlichte. Haha. Ein Schelm, wer hier böses denkt.

Nee, im Ernst, für Panik und übereiltes Seitenabschalten bei Facebook gibt’s keinen Grund. Es gibt in der Tat dieses Urteil, und ja, in der Tat ist es eindeutig, aber man muss genau lesen und Hintergrundwissen haben, um es richtig einzuordnen, denn das Urteil stellt nur die Verantwortung im Falle eines Datenschutzverstosses von Fackebook klar. Ob ein solcher Verstoß tatsächlich vorliegt, muss erst noch geklärt werden. Soviel nur ganz grob. Detailliert und nüchtern wird der Sachverhalt in folgenden Artikel behandelt:

  1. Analyse zum EuGH-Urteil: Kein Grund, Facebook-Seiten zu schließen
  2. EUGH Urteil: Müssen nun alle Facebook-Seiten geschlossen werden?

Also, Grund zur Panik besteht nicht, aber man muss am Ball bleiben, denn es könnte sein, dass es doch irgendwann notwendig wird Maßnahmen zu ergreifen. Ganz klar ist, dass Europa tatsächlich im Moment Nägel mit Köpfen macht, denn wie ihr aus den Artikeln oben erlesen könnt, trifft ein solches Urteil nicht nur Facebook, sondern gilt für jegliche Nutzung von sozialen Netzwerken. Da kann und muss sich der kleine Internetnutzer Gedanken machen – und sich seiner Macht bewusst werden.

Es gibt natürlich auch die ’Zeter und Mordio’- Fraktion vornehmlich aus der Wirtschaft, die die DSGVO und ihre Folgen gerne in Grund und Boden stampfen würden. In diesem Artikel „US-Investor vergleicht DSGVO mit Berliner Mauer“ hat ein US-Investor die DSGVO mit dem deutschen Mauerbau verglichen. Mal abgesehen davon, dass solche Vergleiche geschmacklich immer grenzwertig an sich sind, hinkt er wie Sau: mit der DSGVO will Europa keine Mauer bauen, sondern es werden gesellschaftliche und politische Werte über wirtschaftliche Werte gestellt und für den Datenstrom, das Gold der Zukunft, feste Regeln aufgestellt. Das ist was ganz anderes, als die Intention die hinterm Mauerbau stand. Da möchte man rufen: Ihr, liebe amerikanischen Freunde, werdet irgendwann dankbar für diesen Schritt der Europäer sein. Die DSGVO ist nicht perfekt und nur ein Anfang, aber sie ist ein Anfang. Ich hab auch Stress wegen der DSGVO, beruflich und privat, das ändert aber nix an meiner Einstellung, dass man für das Gold der Zukunft sozial und politisch gesamtgesellschaftliche Regeln finden muss, in denen der Schutz des Individuums priorisiert wird, nicht der monetäre Gewinn von börsennotierten Unternehmen.

Wie auch immer, es bleibt spannend.

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